Update 28.11.2025
In meiner Wahlheimat Berlin erlebe ich jeden Tag eine große Vielfalt von Menschen. Alle haben ihre eigene Identität. Dazu zählen zum Beispiel Sprache, Nationalität, Kultur, Alter, Familien- und Lebensmodelle, Religion, politische Ansichten, Geschlechtsidentität und körperliche sowie geistige Fähigkeiten. Das ist die Realität.
Doch wie sieht es in der visuellen Kommunikation aus? Zwar setzen sich zunehmend mehr Unternehmen, Verlage und Institutionen visuell mit dem Thema auseinander. Es gibt jedoch noch sehr viel Luft nach oben! In den verschiedensten Medien werden oft einseitige, stereotype Darstellungen und Stigmatisierungen gezeigt. In vielen Bildern werden bestimmte Menschen überproportional häufig gezeigt, während andere Menschen kaum oder gar nicht abgebildet werden. Und deren Geschichten nicht erzählt werden.
In diesem Blogbeitrag zeige ich, wo Illustration ansetzt und wie wertvoll sie in der visuellen Kommunikation für das Sichtbarmachen unserer Gesellschaft ist.
Inhaltsverzeichnis

Was bewirkt Vielfalt in der Bildsprache?
Repräsentation
Repräsentation bedeutet Sichtbarkeit. Durch Repräsentation in der visuellen Kommunikation fühlen sich mehr Menschen – im besten Fall alle – willkommen und angesprochen. Das Zugehörigkeitsgefühl und der Selbstwert werden gestärkt. Repräsentation fördert somit Zugehörigkeit und Inklusion.
Inspiration & Motivation
Durch die Darstellung von starken, vielfältigen Personen in passenden Szenen und Umfeldern werden positive Rollenvorbilder geschaffen. Das motiviert Menschen und stärkt das Selbstbewusstsein.
Beispiele für inspirierende Rollenvorbilder: Muslimische Frauen in Führungspositionen oder Teammitglieder, die eine Behinderung haben, in beruflichen Kontexten
Beispiel für Motivation: Darstellung von weiblichen Personen in MINT Berufen und männlichen Personen in weiblich gelesenen Berufsfeldern
Aufklärung
Durch Vielfalt in der Bildsprache können konventionelle Denkmuster aufgebrochen und Vorurteile sowie Missverständnisse abgebaut werden.

Ein Bild wirkt, noch bevor der Text gelesen wird. Zum Beispiel bei einer illustrierten Plakatkampagne für ein Krankenhaus. Die Motive zeigen Personen verschiedener Herkunft und Alters sowie (sichtbar) behinderte Menschen. Außerdem wurde auf deutlich männliche und weibliche Körpermerkmale verzichtet. Die heteronormative Sichtweise, also die Annahme der binären Geschlechterordnung, wird so aufgebrochen. Mit dieser Bildsprache signalisiert das Unternehmen: »Wir sprechen Menschen unterschiedlichster Lebensphasen, Biografien und Lebensformen an und alle haben spezifische Bedürfnisse.«
Eine diverse Bildsprache kann einen positiven Wandel in der Gesellschaft bewirken. Wird sie kontinuierlich dargestellt, verändert sich unsere Wahrnehmung langfristig. Denn Illustrationen und Bilder prägen diese sehr stark.

KI-Bildgeneratoren reproduzieren konservative Stereotype
Für die Gestaltung dieser Illustrationen sind differenziertes Denken, genaues Beobachten sowie ein Verständnis für kulturelle Feinheiten wichtig. Und Verantwortung. Gefragt sind menschliche Fähigkeiten! All das fehlt bei KI-generierten Illustrationen und Bildern. Generative Bildmodelle reproduzieren Stereotype. Das Ergebnis sind (oft) diskriminierende Darstellungen von Personen.
Warum? Weil KI-Bildgeneratoren auf Trainingsdaten aus der Vergangenheit basieren. Diese sind jedoch nicht divers, sondern mehrheitlich westlich, weiß und männerdominiert (Tech-Konzerne). Generative Bild-KI klassifiziert, also sortiert nach Schubladen-Kategorien.
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Da KI-Bildgeneratoren mit Daten aus westlichen, genauer nordamerikanischen und europäischen Ländern trainiert werden, sind die generierten Bilder und Illustrationen mit kolonialen Narrativen angereichert. Bei Themen wie Kaffee, Schokolade und Tourismus in Afrika werden zuerst kolonial geprägte Bilder generiert. Zum Beispiel eine romantisierte Natur oder eine Person mit exotisierenden Merkmalen.
An dieser Stelle passt folgendes Statement von Dr. Karin Lingl, Geschäftsführerin der Stiftung Kunstfonds, welches ich auf einem Symposium über Kolonialnarrative in der Bildwerbung (November 2025 in Berlin) notiert habe:
»Digital häufiger verbreitete Stereotypen könnten sich verstärkt verbreiten und die kulturelle Vielfalt sich in den Erzeugnissen der KI nicht abbilden. Mehr noch: Mit vorwiegend westlicher Kunst trainierte KI wird entsprechende Ergebnisse generieren und dadurch ein verzerrtes Bild unserer analogen Realität entwerfen.«
KI verstärkt die Stereotype und Muster, die es schon gibt. Das heißt, generative Bild-KI = konservative Bildwelt.

Selbstreflexion und Verantwortung
Wirken meine Illustrationen respektvoll? Wer ist wie sichtbar und wer handelt aktiv? Ist es passend Personen genderneutral zu zeichnen? Bei Projekten mit Diversitätsschwerpunkt stelle ich mir genau diese Fragen.
In jedem Fall ist es wichtig, dass ich aus meiner Blase heraustrete und mir meiner Privilegien bewusst werde. Und meine eigenen Vorurteile wahrnehme und abbaue. Denn ich zeichne zuerst einmal das, was mich umgibt und mir vertraut ist. Eine respektvolle Abbildung von Diversität gelingt nur durch stetige Weiterbildung und einen offenen Blick. Dazu ist es wichtig, Feedback von Menschen, die die spezifische Positionierung haben, einzuholen. Ihre Perspektive ist dabei sehr wichtig.
Als Illustratorin trage ich Verantwortung für meine Bilder. Ich entscheide (mit), welche Personen sichtbar sind.

Menschen in Berlin / Skizzen
Ideen, Bildmotive und Entscheidungen
Das Darstellen von Vielfalt kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Eine Möglichkeit ist das Zeichnen der Unterschiede und individuellen Merkmale der Personen. So gelingt Repräsentation.
Anderseits ist es auch manchmal sinnvoll, Diversität allgemeingültig abzubilden. Das funktioniert gut mit einer abstrakteren Bildsprache. Sie kann offener interpretiert werden.
Die Farben der Haut sind ein beliebtes Mittel, um die Verschiedenartigkeit der Menschen darzustellen. Hauttöne sind nicht ganz leicht zu entscheiden und nicht immer einfach in die Farbwelt eines Projektes zu integrieren. Schon kleine Ungenauigkeiten können als diskriminierend oder ausgrenzend wahrgenommen werden. Dafür ist Sensibilität gefragt.
Alle gestalterischen Entscheidungen hängen davon ab, welche Mission visualisiert und welche Geschichten erzählt werden.

Mehrwert für Auftraggebende
Gestalten Auftraggebende ihre visuelle Kommunikation bewusst divers (zB. Studien, Stadtpläne, Kampagnen), senden sie ein klares und positives Signal. Sie zeigen, dass sie die Vielfalt der Gesellschaft wahrnehmen und wertschätzen. Und dass sie nicht realitätsfern sind. Auftraggebende zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen für eine realistische und bestenfalls diskriminierungssensible Bildsprache. Damit kommunizieren Unternehmen und Institutionen Offenheit und Haltung. Und das fördert die Glaubwürdigkeit.
Diversität in der Bildsprache ist kein Nice-to-Have: Ich möchte ermutigen, das Thema in der eigenen visuellen Kommunikation mit Mut, Bewusstsein und Respekt zu gestalten – nach außen wie nach innen. Illustration ist ein starkes visuelles Kommunikationsmittel für Vielfalt. Ohne Kitsch und Stereotype. Gern unterstütze ich Dich bei der Entwicklung visueller Konzepte, die Repräsentation stärken und ein Zeichen für Diversität setzen.




